underdog: Ein Projekt von

Underdog - Interview

Über den Hund zum Menschen 

Gespräch mit Ila Golzari, Diplom-Sozialarbeiterin bei der Beratungsstelle „aXept“ &  neue fiftyfifty-Streetworkerin, über ein neues Projekt, bei dem zusammen mit TierärztInnen obdachlose Hunde und ihre Halter auf der Platte aufgesucht werden. 

?: fiftyfifty hat ein neues Projekt auf die Beine gestellt, um Hilfsbedürftige noch besser erreichen zu können. Worum geht es da?

!: Es ist ja bekannt, dass viele Obdachlose einen Hund haben. Dieser ist für sie häufig der einzige Freund, dem sie vertrauen können. Denn echte Freundschaften unter Menschen gibt es auf der Straße nur sehr wenig. So bleibt ihnen in diesem täglichen Konkurrenzkampf ihr Tier als einziger treuer Freund.

?: Und da wollt ihr mit eurem Projekt ansetzen?

!: Genau. Für diese Tiere bieten wir seit einigen Jahren schon eine monatliche kostenlose ärztliche Grundversorgung in den Räumen der Beratungsstelle „aXept“ in der Düsseldorfer Altstadt. Diese Sprechstunde wollen wir nun mit einem aufsuchenden Angebot fortführen, indem wir zu den Menschen und ihren Tieren auf die Straße gehen, dorthin wo ihr Lebensmittelpunkt ist. Ein veterinärmedizinisch gut ausgestatteter Bus dient dabei als rollende Praxis. Die Hilfe ist kostenlos, denn die meisten Hilfebedürftigen können gerade mal das Futter für ihre Vierbeiner bezahlen und haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, sich einen Tierarzt leisten zu können.

?: Die Tierärzte stehen  dann also allen und kostenlos zur Verfügung?

!: Also, Frau Dr. Katja Beyer und Herr Dr. Georg Specker sind praktizierende TierärztInnen und bieten diese Sprechstunden vollkommen ehrenamtlich an. Auch Rita Kuznik ist als ehrenamtliche Assistentin eine große Hilfe während der Sprechstunden. Allerdings ist es notwendig, dass  die BesitzerInnen sich und ihre Tiere vorher anmelden, da wir unser Angebot ausdrücklich an Menschen richten, die von materieller Armut betroffen sind. Sie sollten uns nach Möglichkeit auch vorher schon durch unsere Beratungsarbeit bekannt sein.

?: Welche Behandlungen sind bei den Tieren nötig und kostenlos möglich?

!: Meistens ist es erst einmal wichtig, die Tiere zu entwurmen und ihnen neue Flohhalsbänder zu geben und natürlich einen allgemeinen Gesundheits-Check durchzuführen. Die Tiere können außerdem gechippt werden und auch Impfungen braucht jeder Hund. Dies können wir alles innerhalb unserer Sprechstunden erledigen. Operationen, wie eine Kastration, sind natürlich in dem gegebenen Rahmen nicht möglich. In solchen Fällen versuchen wir individuelle Lösungen zu finden.Ein wichtiger Aspekt ist auch die Unterstützung bei organisatorischen Angelegenheiten, wie die Anmeldung des Tieres, das Abschließen einer Hundehalterhaftpflicht oder ggf. die Verpflichtung zum Sachkundenachweis. Damit sind viele BesitzerInnen überfordert und das kann ordnungsrechtliche Folgen haben.

?: Was macht dieses Projekt so wichtig?

!: Die Tierhaltung von Menschen die auf der Straße leben ist mitunter sehr umstritten. Indem wir diese Menschen in ihrer Lebenssituation ernst nehmen und akzeptieren - und dazu gehört eben auch ihr Bedürfnis nach Nähe und Freundschaft - dient uns ihr Tier auch als Verbindungsglied zum Menschen. Nicht selten ist die Verbundenheit zu ihrem Tier die einzige Form von Nähe, die sie zulassen können.Viele der Wohnungslosen leben schon seit vielen Jahren in sozialer Isolation auf der Straße und haben ihr Vertrauen in Hilfsangebote verloren. Durch unsere neue, mobile Hilfe, erreichen wir auch diejenigen, die nicht in unsere Tiersprechstunde kommen.

?: Das ist natürlich ein wichtiges Ziel. Aber wie ist das Projekt überhaupt möglich geworden? Wie wird das alles finanziert?

!: Die TierärztInnen stellen ihre Arbeitskraft ehrenamtlich zur Verfügung. Ohne ihre Hilfe wäre ein solches Angebot gar nicht denkbar. Die Sozialarbeit, also meine Stelle, wird vom Land NRW und von fiftyfifty bezahlt. fiftyfifty finanziert und unterhält auch den Bus, zahlt das Handy und was sonst noch anfällt. Um das Projekt, die notwendige Kooperation aus Sozialarbeit und tiermedizinischer Versorgung gewährleisten zu können, sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Vor allem auch, um jedes Tier mit ausreichenden Medikamenten versorgen zu können.

Das Gespräch führte Carsten Dobberkau (19 Jahre)

 

 

 

Die in der Novemberausgabe der fiftyfifty angekündigte Plakatkampagne der Agentur McCann Erickson; das Plakat, wie auch das Projektlogo wurden ehrenamtlich entwickelt